Donnerstag, 19. Dezember 2013

19. Türchen


Zimt und Sternchen saßen auf der breiten Fensterbank ihres Zimmers und blickten traurig in die weiße Winterpracht hinaus. Leider bedeutete diese weiße Herrlichkeit ja auch, dass ihnen der Rückweg versperrt war und somit für sie dieses Jahr wohl kein Weihnachten stattfinden würde. Nur noch wenige Tage waren es bis zum Fest und Weihnachtsstimmung suchte man im ganzen Haus vergeblich. Onkel Drako war inzwischen so empfindlich, dass ihn scheinbar wirklich jedes Geräusch störte. 
Um nicht in den Genuss weiterer Wutausbrüche zu kommen, hatten Max, Zimt und Sternchen alle Aktivitäten im Hause auf ein Minimum beschränkt – es war wirklich ein schrecklicher Zustand. Zimt und Sternchen sehnten sich jede Minute mehr ihre Rückkehr in ihre gemütliche Bärenhöhle herbei und hofften ständig, dass der emsige Schneefall bald aufhören und der Weg durch den Wald wieder passierbar sein würde. Wie schön wäre das! Doch im Moment war daran bei weitem nicht zu denken. Dank Max‘ ständigem Einsatz vorm Haus war der Bereich vorm Haus noch betretbar, die Schneeberge zu allen Seiten machten aber deutlich, wie viel Arbeit das war. Zimt und Sternchen halfen ihm dabei, so gut sie konnten; auch heute hatten die drei wieder kräftig die Schneeschaufeln geschwungen und den scheinbar nicht zu gewinnenden Kampf gegen die weißen Flocken aufgenommen, die ohne Pause auf sie herabrieselten und alles eben Freigefegte mit einer neuen weißen Schicht bedeckte.
Max würde sich gleich wieder zu ihnen gesellen, er wollte im großen Garderobenschrank nachsehen, ob sich ein zweiter Handschuh finden ließe… die dicken roten kuscheligen mit dem weißen Wollbesatz waren seine echten Favoriten, aber seit langem schon fristete ein einzelner Handschuh sein einsames Dasein. Da der Winter ja noch keine Anstalten machten, den Rückzug anzutreten, wollte Max sich gern noch mal auf die Suche nach Nr. 2 machen. Und tatsächlich kam Max kurz darauf freudestrahlend und mit dem zweiten Handschuh winkend ins Zimmer. Er trug jedoch auch noch etwas anderes unterm Arm, und zwar eine alte verbeulte Pappschachtel. „Schaut mal, was ich noch gefunden habe!“, strahlte er Zimt und Sternchen an, während er den Deckel von der Schachtel hob. „Eine richtige Lichterkette! Für außen!“, freute er sich und hob die Kette in die Höhe. Zimt und Sternchen sahen sich an. Sie waren nicht sicher, ob sie sich mitfreuen sollten – bisher war solche Freude stets von kurzer Dauer gewesen und regelmäßig von einem Donnerwetter beendet worden. Ob es dieses Mal vielleicht anders werden könnte? So hätten sie zumindest ein kleines bisschen Weihnachten und – welch Glückes Geschick! – sie bräuchten sich zum Anbringen der Lichter nicht mal im Hause aufzuhalten! Nun breitete sich auch auf Zimts und Sternchens Gesicht ein Lächeln aus. Die drei Bären blickten sich an und es war abgemacht: diese Kette würde in der großen Tanne vorm Eingang zum Einsatz kommen und zwar heute noch.

Kommentare:

  1. Hoffentlich hat Drako das Fenster von seinem Studierzimmer nicht zum Eingang hin, sonst fühlt der sich bestimmt wieder irgendwie gestört von den Lichtern oder so.
    Ich finde es echt schön, dass die drei Freunde nicht aufgeben und weiterhin versuchen Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Wer weiß, vielleicht wenn der Anfang mal gemacht ist, dann merkt vielleicht auch Onkel Drako wie schön Weihnachten ist und dann verblasst bestimmt auch der böse Geist wieder
    Liebe Grüße
    Shania

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  2. Wir sind erleichtert... und jetzt echt zuversichtlich - endlich mal ein Konzept, das klappen wird... Bestimmt - und wenn dann erst die Lichter am Weihnachtsbaum draußen leuchten, wird selbst der grummeligste Drache einsehen, dass er seine Ahnenforschung auch noch nach Weihnachten betreiben kann...

    Liebe Grüße
    Flutterby und Birgit

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  3. Ja, das wird klappen! Ganz bestimmt. Nun kommt endlich Weihnachtsstimmung auf, da glaube ich danz fest dran... naja, ich glaube es, weil ich es hoffe, aber das muss doch einfach funktionieren... schon mal alleine deswegen weil *erschreck* nur noch fünf Türchen aufzumachen sind und es doch unbedingt ein happy end geben muss ;-)
    Liebe Grüße
    Melli

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